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  S-Boote Kriegsmarine - Westfeldzug 1940

 

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S-Boote in der Kriegsmarine 1935 - 1945

Die Kriegschauplätze der S-Boote

 

Westfeldzug 1940

Am 10.05.1940 begann die Offensive im Westen. Die Gruppe West erbat dringend den Einsatz von Schnellbooten im Kanal. Am 12.05.1940 wurde die 2. SFltl  aus dem Sicherungseinsatz in Norwegen herausgezogen, am 14.05.1940 auch die 1. SFltl. Beide Flottillen wurden am 19.05.19340 mit neun Booten und einem Begleitschiff nach Borkum verlegt. In den Nächten 20./21. und 21./22.05.1940 erfolgten die ersten Einsätze vor der niederländischen und belgischen Küste, in denen ein Dampfer und der französische Zerstörer "Jaguar" versenkt wurden.

Es folgte die Verlegung der Flottillen nach Den Helder, das notdürftig auf die Aufgabe als S-Boots-Stützpunkt vorbereitet worden war. Von dort aus führte der F.d.T. (Kpt.z.S. Bütow) beide Flottillen. Am 26.05.1940 begann die Operation "Dynamo", die Evakuierung der britischen und französischen Heereseinheiten. Sie endete am 04.06.1940 und es gelang den Alliierten 340.000 Mann allerdings ohne ihre Ausrüstung unter Aufbietung von über 800 Fahrzeugen darunter 56 Zerstörern von Dünkirchen nach England zu evakuieren. Die S-Boote waren die einzigen offensiven Kräfte der Marine, um diese Evakuierungsflotte zu bekämpfen. Bei dieser Operation verlor der Gegner 72 Fahrzeuge, allerdings gingen die meisten davon auf das Konto der Luftwaffe. Die S-Boote konnten den britischen Dampfer "Abukir", den britischen Zerstörer "Wakeful", den französischen Zerstörer "Sirocco" und die brit. Trawler "Stella Dorado" und "Argyllshire" versenken . 

Verleihung RK an Oblt.z.S.Fimmen und Oblt.z.S. v. Mirbach - Bild: Aus dem Nachlass Kpt.z.S. Künzel Veranda in Urville Nacqueville heute - Bild: Benoît
Die Offiziere 1. SFltl und Helene vor der Unterkunft in Urville - Bild: Aus dem Nachlass Kpt.z.S. Künzel Hotel de la Plage in Urville Nacqueville heute - Bild: Benoît
Der Bunker für die Besatzungen in Urville Nacqueville heute - Bild: Benoît Hotel de la Plage, Bunker und Veranda in Urville - Bild: Google Earth

Ferner wurde der französische Zerstörer "Cyclone" torpediert, konnte aber den Hafen von Dover und anschließend die Werft in Brest erreichen, wo er beim Einmarsch des deutschen Heeres gesprengt wurde. Am 31.05.1940 verlegten die beiden Flottillen nach Hook van Holland wo auch die neu aufgestellte 3. SFltl (Kptlt. Kemnade) mit zwei Booten hinzu stieß. Am 03.06.1940 verlegten die drei Flottillen nach Rotterdam. Die meisten Torpedoschüsse bei den verschiedensten Einsätzen gingen auf Grund von Magnet- und Aufschlagzünderproblemen fehl.

Am 11.06.1940 erfolgte die Verlegung der 2. SFltl nach Boulogne. Beim Einlaufen wurden die Boote von eigener Artillerie unter Feuer genommen, ohne jedoch Schaden zu nehmen. Nach heftigen Bombenangriffen durch brit. Bomber mit dem Verlust von sechs Gefallenen (siehe untenstehendes Bild) schon am gleichen Tag, verlegte die Flottille am 12.06.1940 zurück nach Rotterdam. Am 17.06.1940 verlegte sie erneut nach Boulogne. Inzwischen hatte die 3. SFltl wieder zurück nach Deutschland verlegt. 

Die Gefallenen der 2. SFltl am 12.06.1940 in Boulogne (ObLtnt. z.S. Kecke - Kdt S 35, ObMaschMt Glienke - T1 S 31, BtsmMt Zumpe - Nr. 1 S 31, MatrObGefr Weber - S 30, MachObGefr Dörnberg - S 30, MaschGefr Hütte - S 31, FkGefr Kluin - S 31) - Bild: Archiv R. Mundt

Die Boote griffen nun von Boulogne und Rotterdam aus den britishen Konvoiverkehr an der englischen Südküste und Südostküste an. Am 27.06.1940 verlegte die 1. SFltl nach Cherbourg und die  2. SFltl nach Oostende. 

Boot der 2. SFltl beim Auslauffen aus einem Kanalhafen (Bild: Aus dem Buch Fr. Meier "Kriegsmarine am Feind"

Am Abend des 24.07.1940 sollte die 1. SFltl mit zwei Rotten südlich von Portland Bill ("S 19" und "S 27") und östlich der Isle of Wight ("S 26" und "S 20") operieren. Um 23.10 Uhr entdeckte die Rotte "S19"/"S 27" ein weißes Licht an Steuerbord und lief darauf zu, da angenommen wurde, dass es sich um das Licht eines am Tag zuvor notgelandeten deutschen Flugbootes handelte. Das Licht wurde aber von einem Passagierdampfer von geschätzt 18.000 BRT auf Westkurs gezeigt. "S 27" und "S 19" schossen je einen Torpedo, die aber beide vorbeiliefen. Der Dampfer stoppte. Zwei weitere Torpedos von den beiden Booten gingen ebenfalls vorbei. Darauf begann "S 19" das mit gesetzten Laternen gestoppt liegende Schiff mit der 20mm Maschinenkanone zu beschießen. Um 00.12 Uhr schoss "S 27" (Oblt.z.S. Klug) einen weiteren Torpedo, der als Oberflächenläufer den Dampfer am Heck traf, worauf er langsam zu sinken begann. Es handelte sich um den französischen Dampfer "Meknés" (hierbei starben 420 französiche Soldaten auf dem Rückweg nach Frankreich, das inzwischen kapituliert hatte; 900 Überlebende wurden von britischen Schiffen und Booten gerettet). Wie uns Monsieur Jaque Ragot aus Amélie mittteilte, wurde am 24.07.2010 (70 Jahre nach dem Drama) in Saint-Martin-en-Campagne/Normandie eine Granit-Stele zur Erinnerung an die 420 Opfer des Untergangs der "Meknés" eingeweiht. Auf ihr sind die Namen der 420 Opfer eingraviert. Jährlich am 24. Juli wird ein Marsch zu der Stele veranstaltet.

 

 

Am 08.08.1940 versenkten die Boote der 1. SFltl, "S 20" (Oblt.z.S. Götz von Mirbach), "S 21" (Oblt.z.S. Bernd Klug), "S 25" (Oblt.z.S. Siegfried Wuppermann) und "S 27" (Oblt.z.S. Herbert Büchting) unter dem Kommando des Fltl-Chefs Kptlt Heinz Birnbacher an Bord von "S 27", aus dem Convoi CW 9 "Peewitt" heraus die drei britischen Dampfschiffe "Holme Force", "Fife Coast" und "Ouse" (nach offiziellen britischen Aufzeichnungen durch Kollision beim Ausweichen eines Torpedos). Beschädigt wurden die Motorschiffe "Polly M" und "John M". Bis zu diesem Datum hatten deutschen S-Boote außerdem die britischen  Dampfer "Roseburn", "Elmcrest", "Broadhurst", "London Trader" und "Lulonga", den britischen Tanker "Albuera", die britischen Motorschiffe "Kingfisher" und "Mallard" sowie den britischen bewaffneten Trawler "Cayton Wyke" versenkt. Beschädigt wurden die britischen Frachter "Hartlepool" und "British Corporal".

Meldung des OKW (Bild: Aus dem Buch Fr. Meier "Kriegsmarine am Feind")

Am 14.08.1940 wurde Oblt.z.S. Fimmen und Oblt.z.S. v. Mirbach dafür das Ritterkreuz verliehen.

Wie wir heute aus britischen Berichten über versenkte Schiffe wissen, verschätzten sich die Kommandanten der Schnellboote oft in der Größe der in den Versenkungsberichten gemeldeten Fahrzeuge.

In dieser Phase des Krieges warfen die deutschen Schnellboote in vier Operationen Minen auf den Geleitwegen entlang der englischen Küste.

Als eigene Verluste waren zu verzeichnen "S 32"  und "S 23" durch Minentreffer. Bei den Bombenangriffen auf die Boote in Boulogne acht Tote und zehn Verletzte. Bei den Minentreffern sechs Tote und zwei Verletzte auf S 32 . 

Am 11.08.1940 erhielt die 1. SFltl den Befehl sich in nächster Zeit in erster Linie für Seenotzwecke der Luftwaffe bereit zu halten. Am 13.08.1940 begann der "Adlertag", der Kampf um die Lufthoheit über Großbritannien, die von der OKL als Voraussetzung für das Unternehmen Seelöwe (Landung in Großbritannien) angesehen wurde.

Die Propaganda-Maschinerie versuchte mit allen Mitteln eine Kriegsmarinebegeisterung im Volk zu inszenieren, so mit Büchern und Sammelbildern. Das unten gezeigte Beispiel eines Sammelbilded der Sparkasse Gersdorf, Bezirk Chemnitz, verdeutlicht wie die polistische Führung die Bevölkerung zu beeinflussen versuchte.

Vorderseite Rückseite
Sammelbild der Sparkasse Gersdorf in Sachsen - Bild: Archiv Förderverein

 

Am 15.08.1940 erfolgte ein Sabotageakt in Ostende, dem die Torpedoregelstelle und das Torpedolager mit 42 Torpedos zum Opfer fiel. Durch herumfliegende Splitter und Wrackteile wurden die Boote "S 24", "S 31", "S 35" und "S 37" so stark beschädigt, dass sie nach Deutschland in die Werft verholen mussten. Damit war die 2. SFltl praktisch ausgefallen und die 1. SFltl mit den Booten "S 18", "S 20", "S 21", "S 25", "S 26" und "S 27" wurden am 19.08.1940 nach Rotterdam befohlen, um von dort auf Geleitzüge vor der Themsemündung zu operieren. In der Folgezeit wurden Torpedo- und Mineneinsätze im Wechsel gefahren.

"Z" vor bei Angriffsübung mit einem Boot Typ S 14 vor dem Kriege - Bild: PK-Aufnahme

Am 08.09.1940 kam als Verstärkung die 3. SFltl (Kptlt. Kemnade) aus Kiel mit den Booten "S 1", "S 10", "S 11" und "S 13". Beim Einlaufen in Vlissingen rammten sich "S 1" und "S 13" leicht, eine Schute traf im Hafen "S 10" am Heck, so dass nur "S 11" und "S 13" einsatzbereit waren.  

"S 13" beim Einlaufen Wilhelmshaven (Bild: Aus dem Buch Fr. Meier "Kriegsmarine am Feind")

Das Unternehmen Seelöwe wurde Mitte Oktober 1940 endgültig verschoben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Schnellboote trotz Behinderungen durch das Wetter und Motorenproblemen und sonstigen Schäden durch Gefechte mit brit. Bewachern und durch Bombenangriffe in den Häfen an den Booten die britischen Frachter "Cotbrook", "New Lambton", "Fulham V", "Ewell", "Joseph Swan", "Continental Coaster" sowie die niederländischen Frachter "Nieuwland"  und  "Stad Alkmaar" versenkt. Die Erfolge der von den S-Booten geworfenen Minensperren sind nicht berichtet worden.

Die eigenen Verluste waren ein Minentreffer am 28.08.1940 auf "S 19", das aber nach Calais eingeschleppt werden konnte, die Versenkung von "S 37" durch einen Minentreffer und schwere Schäden durch Bombentreffer auf  "S 36", Splitterschäden auf "S 33", "S 37" und "S 13" sowie 17 Gefallene bzw. Verstorbene, sechs Schwerverwundete (darunter auch Kptlt. Kemnade), zwei Leichtverwundete und vier Leichtverwundete bei der Explosion des Torpedolagers in Oostende. 

Am 21.10.1940 ordnete die Gruppe West die Verlegung der 1. SFltl nach Norwegen und damit die Unterstellung unter die Gruppe Nord an. Damit verblieben im Westraum die 2. SFltl mit fünf Booten ("S 30", "S 33", "S 34", "S 36" und "S 55") und die 3. SFltl mit 3 Booten ("S 12", "S 54" und "S 57") Die 1. SFltl traf am 28.10.1940 mit den Booten "S 20", "S 24", "S 27" und "S 28" in Bergen ein. "S 25", "S 26" und das neue "S 38" von der 1. SFltl  sollten bei Klarstand nach Bergen folgen. Die Boote "S 19" und "S 21", die bisher zur 1.SFltl gehört hatten, wurden mit Fertigstellung der neu aufgestellten 4. SFltl zugeteilt.

"S 33" passiert ein eigenes Dickschiff (Bild: Aus dem Buch Fr. Meier "Kriegsmarine am Feind")

Um von Norwegen aus auf die Shetlands operieren zu können wurde die 1. SFltl am 30.10.1940 nach Stavanger verlegt. Ab 04.11.1940 fuhr die Flottille Geleitdienst. Am 11.11.1940 wurden die 1. SFltl bis auf zwei Boote, die weiter Geleitdienst machten, wieder der Gruppe West unterstellt. 

Mit den wenigen verbliebenen Booten im Westraum wurden sowohl Minen- als auch Torpedoeinsätze durchgeführt. Das Herbstwetter ließ allerdings nicht viele Einsätze zu. Erst am 19.11.1940 erfolgte wieder ein Einsatz, bei dem "S 38" (Oblt.z.S. Dethlefsen) durch Artillerietreffer von den britischen Zerstörern "Campbell" und "Garth" versenkt wurde. Dabei gab es viele Verwundete, fünf Gefallene und 18 Gefangene (darunter der Kommandant).

Verlust von"S 38"

 

Sturm und Nebel verhinderten bis 13.12.1940  weitere Einsätze. Die 3. SFltl erhielt mit "S 58" (Lt.z.S. Geiger) und mit "S 59" (ObLt.z.S. A. Müller) zwei neue Boote.  Am 21.12.1940 griffen britische Flugzeuge die Kanalhäfen erneut an. In Ostende wurden "S 34" und "S 56" leicht beschädigt, "S 33" musste in die Werft. Der einzige erfolgreiche Einsatz erfolgte am 23.12.1940: Alle drei Flottillen waren ausgelaufen, um auf die britische Geleitzüge zu operieren. Sie stießen auf zwei stark gesicherte Geleitzüge, "S 28" versenkte den britischen Trawler "Pelton", wenig später versenkte "S 59" den niederländischen Frachter "Stad Maastricht". Die Boote wurden von den Zerstörern des Geleits unter Feuer genommen und von den Konvois abgedrängt. 

Bis zum Jahresende herrschte stürmisches Wetter, so dass die Boote in den Häfen festgehalten wurden.

Beide Seiten unterlagen in dieser Phase des Krieges Fehleinschätzungen:

Die deutschen S-Boote meldeten die Versenkung von 44 Handelsschiffen (230.500 BRT) durch Torpedotreffer auf Handelsschiffen und die Versenkung von 11.330 t an Kriegsschiffen. In Wirklichkeit versenkten sie 26 Handelsschiffe und Hilfsschiffe (49.985 BRT) und drei Zerstörer. Sieben Handelsschiffe (21.428 BRT) und zwei Zerstörer wurden beschädigt.

Die britische Seite glaubte an eine Dislozierung von 50 Booten in drei Flottillen zu je 12 bis 14 Booten entlang der holländischen, belgischen und  französischen Küste.

Die von den S-Booten benutzte Taktik, sich entlang der Geleitwege in Lauerstellung zu positionieren ohne ausreichende Luftaufklärung und -fühlunghaltung führte dazu, dass die Boote häufig ins Leere stießen.

Im Jahr 1940 wurden 20 neue Schnellboote in Dienst gestellt. Bei vier verloren gegangenen Booten also ein Zuwachs von 16 Booten.