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  S-Boote Kriegsmarine - Ostsee 1944 - 1945

 

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S-Boote in der Kriegsmarine 1935 - 1945

Die Kriegschauplätze der S-Boote

 Ostsee 1944 - 1945

Angesichts der erfolgreichen Winteroffensive der Sowjetarmee gegen die Heeresgruppe Nord und des Falls von Nowgorod am 20.01.1944 sowie der Aufgabe der Stadt Luga am 12.02.1944 sah die Skl die Gefahr der Aktivierung der sowjetischen Baltischen Flotte  im Finnischen Meerbusen. Daher wurde die sofortige Verlegung der 6. SFltl (Korv.Kpt. Obermaier) von Ijmuiden in die Ostsee befohlen.

Die Flottille bestand zu diesem Zeitpunkt aus 10 Booten:

S 39 Lt.z.S. Brandi  
S 76 Kptlt. Matzen  
S 79 Oblt.z.S. Korn  
S 90 Lt.z.S. (KrO) Zillmann  
S 91 Oblt.z.S. Nolte  
S 97 Kptlt. Schnebel  
S 114 Oblt.z.S. Nitsche  
S 128 Oblt.z.S. Rindfuß Einbau 40-mm in Rotterdam
S 132 Kptlt. Witt  
S 135 Oblt.z.S.d.Res. Licht Einbau 40-mm in Rotterdam

Nach Fertigstellung der Boote S 128 und S 135 wurden diese für einen Einsatzt der 2. SFltl unterstellt. Dabei ging S 128 am 23.02.1944 durch Kollisison mit S 94 (Oblt.z.S. Bosenuik) verloren. 

Die ungünstige Wetterlage bewirkte, dass die Flottille mit sieben Booten erst am 15.02.1944 in Reval einlief. Ein Wetterumschwung sorgte für die Vereisung des Finnenbusens, so dass die Boote nach Libau zurück genommen wurden. 

Am 07.03.1944 verlegte die Flottille mit Begleitschiff "Carl Peters" (Oblt.z.S. Reuthal) nach Reval-Kopli und Ende März in das finnische Schärengebiet bei Luwista. Die Flottille wurde vorwiegend gegen Bewacher und Kleinbootverbände eingesetzt, da es keine torpedowürdigen Ziele gab. Dabei kam es zu häufigen Artilleriegefechten.

Am 14.05.1944 versenkte die 6. SFltl bei einem Gefecht östl. der Insel Sejkari das sowj. Wachboot MO-122. Am 26.05.1944 meldete die Flottille wiederum die Versenkung eines Bewachers.

Als am 06.06.1944 die alliierte Landung in der Normandie erfolgt war und am 14.06.1944 in Le Havre 14 Schnellboote einem alliierten Bombenangriff zum Opfer gefallen waren, wurde die 6. SFltl an die Westfront zurück beordert.  

Am 16.06.1944 ging die 6. SFltl mit 8 Booten von Helsinki aus in See. "Carl Peters" blieb in Reval, S 79 in der Werft in Libau. Am 19.06.1944 wurde Cuxhaven angelaufen. Erst am 25.06.1944 ließ das Wetter die Verlegung nach Ijmuiden zu. S 39 hatte unterwegs Motorschaden und wurde zusammen mit S 135 nach Cuxhaven entlassen.

Da die Skl den FdS aufgefordert hatte, Vorschläge zu machen, wie er für eine S-Boots-Präsenz in der Ostsee sorgen wolle, schlug er vor, aus den Beständen der S-Boot-Lehrdivision eine Flottille von acht Kalottenbooten (Boote mit gepanzerter Brücke) zu bilden.

Zu den bereits bestehenden S-Boot-Schulflottillen war am 15.06.1944 die 3. S-Schul-Fltl (Kptlt. Siems) gebildet worden. Die im März 1944 gebildete 10. SFltl (Kptlt. Müller, K.) betrieb mit den älteren Booten S 65, S 67, S 80 und S 85 und den Neubauten S 183, S 185 und S 191 gestützt auf Swinemünde Ausbildung. Das am 07.06.1944 in Dienst gestellte S 192 lag für Restarbeiten in Travemünde.

"S 65" bei einer Ausbildungsfahrt in der Ostsee (Foto: Archiv E. Skjold)

Am 15.06.1944 trafen in Saßnitz vier finnische Bootsbesatzungen ein, die die Boote S 64, S 83, S 99 und S 117 übernehmen sollten. Ebenfalls zur Abgabe an das verbündete Rumänien waren die Boote S 86, S 89, S 92 und S 98 vorgesehen. Die Abgabe von acht Booten in dieser Phase des Krieges stellte einen erheblichen Aderlass dar. Die politische und militärische Entwicklung ließ es aber nicht so weit kommen, die für Rumänien vorgesehenen Boote blieben im Besitz der KM. Die für Rumänien vorgesehenen Boote waren schon auf der Donau, wurden gestoppt und vorübergehend der Donauflottille zugeführt ehe sie wieder in die Ostsee verlegten.

"S 85" in einem Ostseehafen (Foto: Archiv E. Skjold)

Die Skl drängte auf Entsendung einer S-Flottille in die Ostsee. Der F.d.S. entsandte schließlich die 5. SFltl, von der nur noch S 112 im Dienst war. Die 5. SFltl (Kptlt. Holzapfel) musste am 03.07.1944 praktisch neu in Dienst gestellt werden. Sie bekam von der 10. SFltl die Boote S 65, S 67 und S 80. Von der 2. S-Schul-Fltl kamen S 120 und S 68; von der 3. S-Schul-Fltl kam S 85. Als Begleitschiff erhielt die 5. SFltl "Hermann von Wissmann" (Kptlt. Jakobsen).

Die 5. SFltl ging mit S 65, S 67 und S 80 zusammen mit dem Begleitschiff am 12.07.1944 in See, um nach Finnland zu verlegen. Die Besatzungen waren schlecht ausgebildet. Die Boote waren materiell nicht 100 % einsatzbereit. S 85 blieb mit Propellerproblemen zurück. Als Liegeplatz war die Bucht westlich von Stroemslandet vorgesehen.

S 68, S 110, S 116 und S 120 lagen zur Motorenüberholung in Stettin. Ende Juli verlegten S 68, S 85 und S 120 von Libau nach Helsinki, S 110 und S 116 erhielten in Gotenhafen eine 40-mm-Kanone.

Die Boote operierten zunächst von Helsinki, dann von Hamina, ohne dass sie lohnenswerte Ziele fanden. Sie wurden zumeist im Überwachungs- und Minendienst eingesetzt. 

Am 30.08.1944 erhielt die 5. SFltl den Auftrag, mit allen fünf Booten Wasserbomben auf die Untergangsstelle von U 250 zu werfen, um das Boot zu zerstören. Das U-Boot war allerdings schon von den Sowjets gehoben worden. Auf dem Rückweg lief S 80 (ObStrm. Borkenhagen) auf eine Mine und sank mit 5 Männern der Besatzung. 

Am 02.09.1944 erklärte der finn. Ministerpräsident den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Deutschland und forderte Deutschland auf, seine  Truppen aus Finnland zurück zu ziehen. Daher verlegten die 5. SFltl und "Hermann von Wissmann" am 02.09.1944 nach Baltischport (Padilski). Am 14.09.1944 begann die Offensive der Sowjetarmee auf die Heeresgruppe Nord.

Am 22.09.1944 wurde Reval aufgegeben und die 5. SFltl verlegte nach Windau.

Am 14.09.1944 lief die 5. SFltl mit vier Booten aus, um den Stützpunkt der 1. finn. SFltl zu verminen. Die Minen wurden planmäßig vor Kotka geworfen, allerdings hatten die Finnen das Werfen der Sperre beobachtet und konnten daher nicht am Auslaufen von Kotka gehindert werden. Das Minenwerfen war eine Maßnahme im Rahmen der Operation "Tanne Ost", der Besetzung der Insel Hogland. Das deutsche Landungscorps musste sich allerdings den Finnen ergeben. Der Angriffsplan erreichte die 5. SFltl so spät, dass sie die finn. S-Bootsangriffe nicht abwehren konnte. 

Am 16.09.1944 unternahm die 5. SFltl von Reval aus einen Vorstoß in Richtung Hogland, ohne dass sowj. Schiffe in Sicht kamen. Eine finn. S-Bootsgruppe fuhr vorbei, ohne dass es zu einem Schusswechsel kam. 

Am 17.09.1944 wurden durch die 5. SFltl Marineangehörige von der Insel Pein Tytarsaari abgeholt, darunter der Chef der 7. Artillerieträger-Flottille, die an der Operation"Tanne Ost" teilgenommen hatte.

Am 18.09.1944 sicherten die Boote der 5. SFltl das Lazarettschiff "Oberhausen", es sollte ein deutsch-finnischer Gefangenenaustausch stattfinden. Die finn. Boote erschienen aber nicht.

Am 17.09.1944 befahl das OKM dem FdS, die 2. S-Schul-Fltl sofort für den Einsatz im Osten abzustellen. Diese meldete, dass die Boote und das Begleitschiff "Tsingtau" am 19.09.1944 auslaufklar sein würden. Die Verlegung wurde dann aber erst am 29.09.1944 befohlen. 

Am 01.10.1944 waren in Windau die Boote S 64, S 76, S 81 und S 135 verfügbar, als der Chef der 2. S-Schul-Fltl, Kptlt. H.H. Klose, in Windau einlief, wurde das neuere Begleitschiff "Hermann von Wissmann" wegen der erhöhten Luftbedrohung in die Heimat zurück verlegt. Die 2. Gruppe der 2. S-Schul-Fltl betrieb weiterhin Ausbildung von Swinemünde aus.

In der Folgezeit fuhren die 5. SFltl und die 1. Gruppe der 2. S-Schul-Fltl gemeinsam zahlreiche Aufklärungsfahrten und warfen in vielen Nächten Minensperren. Auf einem Vorstoß in die Rigaer Bucht wurde S 110 am 26.10.1944 durch sowj. Flieger angegriffen und musste zahlreiche Einschüsse hinnehmen.

Im September und Oktober 1944 gingen zahlreiche sowj. Schiffe auf den Sperren verloren: ein U-Boot, vier Minensucher, drei Räumboote, drei Wachboote, fünf Schnellboote, zwei Schlepper und ein Kanonenboot.

Am 29. und 30.09.1944 warfen die beiden Flottillen erneut Minen. Ein Vorstoß ins Seegebiet bei Dagö und Ösel verlief ohne Feindberührung. Die Insel Dagö musste am 03.10.1944 aufgegeben werden, am 05.10.1944 landeten die Sowjets auf Öland. Am 18.11.1944 begann der Angriff auf die Halbinsel Sworbe.

Am 01.11.1944 lagen die Boote der 1. SFltl weit verteilt: Nur noch 1 Boot, S 65, war einsatzbereit in Windau. S 68 und S 116 lagen aKB in Gotenhafen, S67 und S 120 in Stettin, S 85 in Königsberg, S 110 in Danzig. Von der 2. SSchul-Fltl waren S 64, S 69, S 76, S 81, S 99 und S 117 einsatzbereit in Windau, S 83 und S 113 lagen in Swinemünde.

Die 5. SFltl fuhr am 18.11.1944 mit vier Booten Aufklärung vor Sworbe. Sie stieß auf einen Verband aus sechs Motorkanonenbooten und 14 Kleinfahrzeugen. Als sie diese angriffen, gerieten sie unter Feuer von Einheiten, die sich unbemerkt genähert hatten. S 69 und S 65 griffen den zuerst gesichteten Verband mit Torpedos an, alle gingen daneben. S 68 und S 116 griffen den anderen Verband an. Eine Gruppe sowjetischer Schnellboote griff in das Gefecht ein und kurz darauf griffen sechs Flugzeuge die Boote an. S 68 erhielt einige Treffer, auf S 116 fiel eine Maschine aus und ein Mann fiel. Der Landungsverband wurde nicht gesichtet.

Im Dezember 1944 fuhr die 2. S-Schul-Fltl drei Minenunternehmen. Mitte Dezember waren in der 5. SFltl in Windau einsatzklar S 68, S 116 und S 120. S 65 war in der Werftliegezeit in Danzig, S 67 war aKB in Stettin, S 110 war aKB in Gotenhafen. Am 23.12.1944 wurde die Flottille nach Westen zurück gerufen und traf am 26.12.1944 mit S 48, S 67, S 85, S 92, S 98, S 110, S 127 und S 132 in Kiel ein. 

Am 25.12.1944 wurde auch die 1. S-Schul-Fltl mit Begleitschiff "Adolf Lüderitz" in den Fronteinsatz abgestellt. Sie wurde nach Norwegen beordert.

Am 25.12.1944 war der provisorische Stützpunkt Windau so weit abgeschlossen, dass das Begleitschiff "Tsingtau" abgezogen werden konnte. Am gleichen Tag verlegten vier Boote der 3. S-Schul-Fltl - S 24, S 25, S 105 und S 118 - nach Kopenhagen. Die anderen acht  Boote - S 68, S 97, S 107, S 108, S 113, S 115, S 122 und S 123 -  verblieben in Swinemünde. In Stettin in der Werft lagen S 21, S 22, S 50, S 101, S 103, S 95, S 120 und S 82. Die neu aufgestellte 1. Abt. der S-Boot-Lehrdivision verfügte nur über S 19, S 20 lag in Stettin in der Werft.

Die neu aufgestellte 1. SFltl (Korv.Kpt. Büchting) hatte zum Jahreswechsel 1944/1945 die Neubauten S 225 (Oblt.z.S. Behrens), S 707 (Oblt.z.S. Neumeier) und S 216 (Kptlt. Seevers) zugeteilt bekommen. Im Januar 1945 folgten S 708, S 218 und S 217 (Oblt.z.S. von Dülong). Im März S 226 (Lt.z.S. d.Res. v. Glasenapp).

Anfang März waren die ersten Boote eingefahren, und S 707, S 218, S 216 und S 225 verlegten am 12.03.1945 von Kiel über Gjedser nach Saßnitz.  Am 18.03.1945 folgten S 217, S 708 und S 226 (Lt.z.S.d.Res. von Glasenapp). 

Am Abend des 06.03.1945 wurde Saßnitz das Ziel eines RAF Luftangriffs, 191 Lancaster-Bomber und sieben Misquitos griffen Hafen und Reede an. Auf Reede wurden versenkt der Zerstörer Z 28 sowie die U-Bootjäger UJ 1109 und UJ 1119, der vollbesetzte Verwundetentransporter "Robert Möhring" brannte aus. Auch die Stützpunktanlagen der 11. SFltl wurden von Bomben getroffen, der Fltl-Ing und ein Verwaltungsoffizier kamen uns Leben. Der Angriff forderte insgesamt über 500 Tote und 300 Verwundete.

Am 18.03.1945 befand sich die 2. S-Schul-Fltl auf einer Patrouillenfahrt vor Libau. Sie stieß auf eine Gruppe sowj. Schnellboote. Im Artilleriegefecht wurde TK-66 versenkt und TK-195 beschädigt.

Am 22.03.1945 fuhren S 216 und S 218 Gen.Adm. Kummetz, die Kpt.z.S. Junge und Liebeschütz und die Freg.Kpt. Dominik und  Heydel nach Hela. Unterweg trafen sie mit S 216 und S 218 zusammen. In Hela schiffte sich zusätzlich Adm. Buchardi zur Fahrt nach Pillau ein.

Am 25.03.1945 stellten sich auf S 216, S 708 und S 217 Maschinenprobleme ein, die nur in der Werft behoben werden konnten, so dass von der 1. SFltl nur noch S 707 und S 218 einsatzbereit waren. 

Auf deutscher Seite wurden die übrig gebliebenen großen Kampfschiffe als schwimmende Artillerie zur Unterstützung des Heeres benutzt. Daher lastete der Seekrieg in der Ostsee auf den wenigen S-, U- und R-Booten.

Die sowj. Baltische Flotte umfasste: 

Schlachtschiff 1
Kreuzer 2
Zerstörer 12
Küstenschutzschiffe (T-Boote) 5
U-Boote 28
Schnellboote 78
Minensucher 73
Räumboote 204
Panzerboote 47

Die Seeflieger der Baltischen Flotte verfügten über: 

Jagdflugzeuge

365

Torpedoflugzeuge 87
Bomber 74
Schlachtflugzeuge 176
Aufklärer 66
Artilleriebeobachter 13

Am 27.03.1945 patrouillierten die Boote S 64 (ObStrm. Deckert), S 69 (Lt.z.S. Runge) und S 81 (Oblt.z.S. Wülfling) von der 2. S-Schul-Fltl westlich von Libau. Dabei stießen sie auf 9 sowj. S-Boote. Im Artilleriegefecht wurden versenkt TK-166 und TK-181. S 64 enterte das beschädigte TK-199. Ein Abschleppversuch scheiterte. Es wurden 11 Mann gerettet. Daneben  wurden beschädigt: TK-16, TK-60, TK-136 und TK-200. 

Am 30.03.1945 erhielten S 707 und S 217 den Befehl, das am 27.03.1945 vor Gotenhafen (Gdingen) auf Grund gesetzte Schlachtschiff Gneisenau zu torpedieren, da der Gefechtsmast von den Sowjets als Artilleriebeobachtungsplattform benutzt wurde. Die Wirkung der Torpedotreffer auf den Gefechtsmast waren gleich null. 

Ende März 1945 waren die neuen Boote der 1. SFltl nach Behebung von Mängeln einsatzbereit. Sie verlegte mit sechs Booten am 06.04.1945 im dichten Nebel nach Hela, wobei die eingebauten FuMG (Radar) eine einwandfreie Navigation ermöglichten. 

Der Hafen Hela lag bereits unter Beschuss sowj. Artillerie. Das Troßschiff "Franken" und der U-Jäger UJ-301 wurden am 08.04.1945 versenkt. Die 1. SFltl rettete 98 Überlebende.

Am 09.04.1945 erfolgten vier Luftangriffe auf den Hafen von Hela. Die S-Boote konnten durch Alarm-Ablegen dem Bombardement entkommen. Das mit Flüchtlingen beladene Motorschiff "Albert Jensen" wurde getroffen, S 707 und S 225 gingen längsseits und übernahmen die Überlebenden. Kurz darauf sank das Schiff. S 226 wurde durch Bombensplitter beschädigt. Die Flak auf S 216 fiel durch Rohrkrepierer aus. 

S 216 ging zum Einbau einer neuen 3,7-cm-Kanone bis zum 19.04.1945 in die Werft nach Swinemünde und schleppte anschließend einen S-Boot-Neubau nach Saßnitz (S 710?). S 226 ging ebenfalls in die Werft und kehrte nicht mehr zur Flottille zurück.

Die im Dezember 1944 aus der Ostsee abgezogene 5. SFltl (Kptlt. Holzapfel) erhielt am 02.04.1945 in Den Helder den Befehl, über Kiel nach Swinemünde zu verlegen. Hauptstützpunkt der Flottille wurde durch Befehl Admiral Westliche Ostsee Laboe, die Flottille sollte aber nach Rönne/Bornholm verlegen..

In der Nacht 09./10.04.1945 operierten S 708 und S 225 vor Gotenhafen. Nach dem Fall der Stadt Danzig am 30.03.1945 operierten sowj. Schnellboote von Neufahrwasser aus in der Danziger Bucht. Sie versenkten den kleinen Dampfer "Neuwerk" durch Torpedo mit 13 Mann Besatzung, 854 Verwundeten, 60 Eisenbahnern, 7 Sanitätern und ca. 100 Flüchtlingen an Bord. Nur 8 Besatzungsmitglieder konnten durch ein S-Boot gerettet werden.

Am 15.04.1945 traf die 5. SFltl mit 7 Booten in Bornholm ein. Am 01.05.1945 liefen S 216, S 208 und S 217 in Rönne ein. Am 04.05.1945 liefen S 216 und S 217 nach Hela, übernahmen dort Vizeadmiral Thiele und brachten ihn nach Libau. Am 05.05.1945 brachten S 216 und S 707 ihn nach Hela zurück.  

In der Zwischenzeit hatte die 5. SFltl mehrere Fahrten zur Pommerschen Küste und nach Rügen unternommen, um abgeschnittene Truppen zu übernehmen.

Am 05.05.1945 wurde in Rönne die deutsche Kapitulation im Westraum bekannt. Daraufhin beschloss der Chef 5. SFltl und der Kmdt . des Torpedobootes T 28, in der Nacht zum 06.05.1945 nach Westen abzulaufen, die Besatzung an die Küste zu bringen und dann die Boote zu versenken. T 28 erhielt jedoch den Befehl an der Evakuierung der Halbinsel Hela teilzunehmen. Der Chef 5. SFltl beschloss, sich mit seinen Booten an der Evakuierung des Kurlandes zu beteiligen. Bei der Musterung der Besatzungen forderte er jeden, der nicht bereit war mit zu fahren, auf, vorzutreten und beim Stab zu bleiben. Es trat niemand vor. Der Marsch der sechs fahrklaren Boote S 127, S 67, S 85, S 92, S 48 und S 110 nach Libau verlief ohne Zwischenfälle. Die Flottille lief am Morgen des 07.05.1945 ein. Sie wurde durch den Chef der 2. S-Schul-Fltl, Kptlt. Klose, begrüßt. Im Hafen lag auch die 1. SFltl.

Am Morgen des 08.05.1945 übernahmen die Boote zunächst jeweils 100 Heeressoldaten, als Waffenruhe befohlen worden war, erhöhten die S-Boote die Zahl der mitzunehmenden Soldaten schließlich bis auf 165 je Boot. Am Abend liefen Minensuch- und Räumboote, Hafenschutzboote, Schlepper, Küstenmotorschiffe und das Begleitschiff "Tsingtau" aus mit ca. 14.400 Soldaten an Bord, die "Tsingtau" allein mit 2000 Verwundeten. Nach Einbruch der Nacht folgten die 1. SFltl mit S 707, S 217, S 218, S 225, S 226, die 5. SFltl mit S 127, S 67, S 85, S 92, S 48, S 110 und die 2. S-Schul-Fltl mit S 64, S 69, S 76, S 81, S 83, S 99, S 117, S 135. Die 19 Boote hatten insgesamt ca. 2000 Heeressoldaten an Bord. Zurück blieb das Gros der Kurlandarmee: 42 Generale, 8038 Offiziere, 181.032 Unteroffiziere und Mannschaften sowie 14.000 lettische Freiwillige gingen in russische Gefangenschaft.

Die 19 S-Boote liefen ohne Zwischenfälle am Abend des 09.05.1945 in die Geltinger Bucht ein. 

S 216 (Kptlt. Seevers) war in Hela zurück geblieben. Es nahm 99 Soldaten an Bord und lief zusammen mit zwei Räumbooten aus. Sie sicherten zeitweilig den ex-Bäderdampfer "Rugard" mit 1300 Menschen an Bord auf dem Weg nach Westen. Am Nachmittag des 09.05.1945 griffen etwa 35 Schlachtflieger einen Geleitzug aus Kriegsfischkuttern westlich von Christiansø an. Einige Rudel griffen dabei auch S 216 mit Bomben, Raketen und Bordwaffen an. Eine Bombe durchschlug das Vorschiff, ohne zu detonieren. An Bord gab es zwei Tote, 13 schwer und sieben leicht Verletzte unter den eingeschifften Soldaten. Am 10.05.1945 legte das Boot in Kappeln/Schlei an und schiffte die Gefallenen und die unverletzten Soldaten aus, dann lief das Boot weiter nach Schleswig, um die Verwundeten auszuschiffen.

Das auf der Insel Bornholm verbliebene Stützpunktpersonal der 5. SFltl charterte zwei Fischkutter mit Eigner und konnte so die Geltinger Bucht erreichen. 

In den letzten Kriegstagen gingen noch sieben S-Boote verloren:

Datum

Boot

Kmdt

Verlust durch

03.05.1945 S  201 ObStrm. Kohrt Luftangriff in Kiel
03.05.1945 S 226 Oblt.z.S. Glasenapp Selbstversenkt nördlich Heiligenhafen
03.05.1945 S 170   Gesunken vor Bagenkop/Langeland
04.05.1945 S 103 Oblt.z.S. Heckel Raketenbombentreffer vor Mommark
05.05.1945 Herold ex S 18 ? Bombentreffer vor Laaland
06.05.1945  unbek. Boot ? Selbstversenkt vor Rødby Havn
07.05.1945 S 191 Lt.z.S. Benja Selbstversenkt nach Kollision im Fehmarnsund
07.05.1945 S 301 Lt.z.S. Benja Selbstversenkt nach Kollision im Fehmarnsund

In der Geltinger Bucht lagen zum Zeitpunkt der deutschen Kapitulation die Begleitschiffe "Hermann von Wissmann", "Tanga", "Tsingtau", "Carl Peters" und "Buea" und 50 Schnellboote:

1. SFltl S 208, S 216, S 217, S 218, S 225, S 707, S 708, S 306
5. SFltl S 48, S 65, S 67, S 85, S 92, S 98, S 127, S 132
8. SFltl S 196
9. SFltl S 227
10. SFltl S 110, S 215, S 228, S 305
2. S-Schul-Fltl S 64, S 69, S 76, S 81, S 83, S 99, S 117, S 135
3. S-Schul-Fltl S 19, S 20, S 21, S 24, S 25, S 50, S 68, S 82, S 95,        S 97, S 101, S 105, S 107, S 108, S 113, S 115, S 118,   S 120, S 122, S 123

Am 11.05.1945 fand um 11.00 Uhr in der Geltinger Bucht eine letzte feierliche Flaggenparade statt. Der FdS, Kommodore Petersen, sprach vom Begleitschiff "Carl Peters" aus zu den auf ihren Booten angetretenen Besatzungen der 1. SFltl, der 5. SFltl und der 2. S-Schul-Fltl. Mit dem Niederholen der Flagge hatte der Schnellbootsverband aufgehört zu bestehen.

Musterung in der Geltinger Bucht 

(Foto aus V. Kühn: Schnellboote im Einsatz 1939 - 1945)