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  S-Boote Kriegsmarine - Norwegen 1944 - 1945

 

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S-Boote in der Kriegsmarine 1935 - 1945

Die Kriegschauplätze der S-Boote

Norwegen 1944 - 1945

 

Mehreren Forderungen durch das Marineoberkommando (MOK) Norwegen, zur Absicherung der Großen Einheiten (Oktober 1943 und September 1944) und zur Abwehr von Landungen bei Petsamo/Finnland S-Boote nach Nordnorwegen zu entsenden, wurde durch die SKL nicht entsprochen, weil hier Torpedos als Hauptwaffe der S-Boote nicht mit Aussicht auf Erfolg eingesetzt werden konnten.

Am 08.10.1944 befahl Dönitz die sofortige Verlegung einer SFltl mit acht Booten in den Bereich Admiral Polarküste. Am 10.10.1944 trat die 4. SFltl (Kptlt. Fimmen)  mit acht Booten - S 201, S 202, S 203, S 204, S 205, S 219, S 220 und S 703 - den Rückmarsch von Holland nach Kiel an. Dort wurden die Boote überholt und erhielten eine verstärkte Artilleriebewaffnung. 

Danach verlegte die 4. SFltl mit dem Begleitschiff "Hermann von Wissmann" über Frederikshavn und Kristiansand nach Norden. Schlechtes Wetter zwang die S-Boote bei Lindesnes zur Umkehr. Dabei kollidierte S 203 mit dem Räumboot R 220. Alle eingeleiteten Bergungsversuche schlugen wegen des schlechten Wetters fehl. S 201, S 203, S 205 und S 703 wurden beim Längsseitsgehen, um Besatzung und Geheimsachen zu bergen, beschädigt und S 203 musste schließlich aufgegeben und gesprengt werden. *)

Boot Typ S 38 von der 4. SFltl in Norwegen - Bild: Roger Albrigtsen

Das MOK Norwegen hatte inzwischen zur U-Bootabwehr eine zweite Flottille angefordert.  Daher verbleib die 4. SFltl zunächst im  Bereich des Admirals Westküste. Nach Ankunft der 1. Schul-Fltl sollte sie in den Polarraum verlegen.

Ohne dass die 1. Schul-Fltl eingetroffen war, wurde die 4. SFltl nach Beginn der Ardennenoffensive an die Westfront zurückbeordert, wo sie am 28.12.1944 eintraf ohne S 201, das nach einer Havarie noch in Bergen lag, und ohne S 220, das nachdem es eine Pier gerammt hatte in Kiel bleiben musste.

Die 1. Schnellbootschulflottille fuhr bis zum Ende des Krieges Geleitschutz gestützt auf Egersund. 

S 90 nach Havarie auf Hånesholmen - Fotos: Archiv Johan Aakre

In der Nacht zum 17.02.1945 lief das Boot "S 90" (Lt.z.S. d.R. Gärbers) der 1. Schnellbootschulflottille bei 24 Knoten Fahrt auf Grund auf der kleinen Insel Hånesholmen bei Bru nördlich von Stavanger. Es wurde von den Schleppern "Fairplay III" und "Hjeltefjord" abgeborgen nachdem deutsche Taucher das Boot abgedichtet hatten und das Hafen-Feuerlöschboot "Nøkk" es ausgepumpt hatte. Das Boot wurde zur Rosenberg-Werft nach Stavanger geschleppt, wo es bis Kriegsende lag. Es wurde 1947 abgebrochen.

 

In den letzten Kriegstagen wurde zur Verstärkung die 8. SFltl (Kptlt. Zymalkowski) mit den Booten  "S 195", "S 302" , "S 303" und "S 706" nach Norwegen beordert. "S 196" (Oblt.z.S. Rathenow) lag in der Geltinger Bucht, "S 197" (Oblt.z.S. Fanger  und "S 701" (Oblt.z.S. Toermer) lagen aKB in Den Helder. 

Am Tage der Kapitulation Deutschlands lagen beide Flottillen in Egersund.

K.S.V. - S 10, S 11, S 13, S 15, S 16 - im Åstveitvågen bei Bergen 1944 - Foto: Archiv Förderverein

Die schnelle U-Jagdgruppe (auch Küstenschutzverband genannt), bestehend aus "S 10", "S 11", "S 13", "S 15" und "S 16", war 1944/45 in Bergen stationiert. Ihr Liegeplatz war in dem kleinen Fjord Åstveitvågen (im Marinejargon: Westwärtsfjord) eben nördlich der Stadt.

" S 13" auf Patrouille in Norwegen - Foto: Archiv F. Frandsen

"S 16" im Hafen von Bergen - Foto: Archiv E. Skjold

 

 Am 29.03.1945 wurde im Hafen von Bergen der nach einer Strandung aufgelegte kleine norwegische Passagierdampfer "Kommandøren" (543 BRT, Baujahr 1891) durch einen Torpedotreffer versenkt. 

Der kleine norwegische Passagierdampfer "Kommandøren" nach der Strandung im Februar 1945 - Foto: Statsarkivet Bergen - Norsk Bjergningskompani

 

Unser Mitglied Volker Groth hat einen Link gefunden:

Demnach wurde der Schuss auf S 13  ausgelöst - nach offiziellen Angaben durch eine Fehlbedienung beim Unterricht - nach inoffizieller Lesart versehentlich durch ein betrunkenes Besatzungsmitglied. 

Die wahre Geschichte wurde uns vom letzten Kommandanten S 13, ObLt. z.S. d.R. Ludwig Unger berichtet:

Der damalige Lt. z.S. Unger lag im Lazarett in Bergen, das Boot lag unter dem Kommando seines Vertreters, eines Obersteuermannes, dessen Name Herrn Unger entfallen ist,  in der "Westwärts-Bucht", als er den Befehl erhielt, zum Bunker des Kommandierenden Admirals Westküste Norwegen, Adm. Otto "Ikke" von Schrader, zu kommen und einen Personentransport durchzuführen. 

Da die Besatzung sich z.T. auf Landgang befand, musste der Ob.Stm. sich Ersatzleute von anderen Booten suchen. Als TorpGast kam ein Soldat der Torpedoregelstelle an Bord, der frisch von der Torpedoschule kam und völlig unerfahren war.

Das Boot legte vor dem Befehlsbunker im Holmen am Anleger Bergenhus mit Bug auslaufend an. Als der Ob.Stm. den Torpedogast fragte, ob der Torpedoabschnitt seeklar sei, erhielt er zur Antwort: "Jawohl, Herr Obersteuermann!", wobei der Gast den Sicherungsplint zog und auf den Abfeuerungshebel schlug. Dadurch wurde der Torpedo abgefeuert und traf den gegenüber am Søndre Nykirkekai in ca. 300 m Entfernung liegenden Dampfer "Kommandøren", der sofort sank. Innerhalb von Sekunden waren nur noch Schornstein und Mastspitzen zu sehen. Der als Wache an Bord befindliche Vollmatrose Alf H. Larsen wurde getötet.

Der bedauerliche Unfall wurde also weder durch einen betrunkenen Seemann noch durch einen Bedienfehler beim Unterricht, vielmehr durch Übereifer eines unerfahrenen Torpedomechanikers verursacht, eines Frischlings, der nicht nur seeklar mit gefechtsklar (Bugklappen geöffnet, Ausstoßflaschen mit Pressluft gefüllt und Zünder in die Gefechtsköpfe eingesetzt) verwechselt hatte sondern auch noch den Sicherungsplint aus dem Öffnungshebel zog und den Abfeuerungshebel betätigte, ohne sich über mögliche Folgen klar zu sein.

Das Journal der norwegischen Versicherungsfirma Statens Krigskaskoforsikring von 1945 spricht von einer Explosion, die sich am 29.03.1945 ereignet hat und den kleinen Fährdampfer auf den Grund geschickt hat. Die Ursache der Explosion wird nicht erwähnt.

 

Die fünf S-Boote - S 10, S 11, S 13, S 15 und S 16 und deren Besatzungen wurden nach der Kapitulation zunächst in Bergen interniert. Kurz darauf mussten die Boote an die Norweger übergeben werden, die Besatzungen bezogen ein ehemaliges Arbeiter-Lager für den Bau der Befestigungsanlagen bei Bergen. Da aber alle Fahrzeuge der Kriegsmarine von den Alliierten in Wilhelmshaven zusammengezogen wurden, um sie aufzuteilen, wurden die Boote an ihre Besatzungen zurück gegeben. Diese überführten sie Anfang August 1945 nach Wilhelmshaven, wobei ein britischer Offzier auf dem Führerboot einstieg.

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*) Gröner und Fock sagen dazu aus, dass S 203 versenkt, später aber gehoben und instand gesetzt wurde. Gröner verzeichnet den Untergang von S 203 am 21.03.1945 nordwestlich von Texel nach Treffer von Fliegerbombe und Mine auf Position 53.04 N 004.47 E. Diese Darstellung ist höchst unwahrscheinlich, da die an der Untergangstelle vor Südnorwegen herrschende Wassertiefe eine Bergung im Winter 1944/45 kaum zugelassen haben dürfte.