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  Kriegsmarine - Kanal 1942

 

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S-Boote in der Kriegsmarine 1935 - 1945

Die Kriegschauplätze der S-Boote

 

Englischer Kanal 1942

Bis in den Februar behinderte schweres Wetter die Schnellboote an der Westfront. Nur zweimal konnten Mineneinsätze gefahren werden. Eisgang auf der Maas erzwang die Verlegung der 2. SFltl (Kptlt. Feldt) mit den Booten "S 29", "S 39", "S 53", "S 62", "S 70",  "S 103", "S 104", "S 105", "S 108" und "S 111" in das noch unfertige Ijmuiden. Die 4. SFltl (Kptlt. Bätge) mit den Booten "S 48", "S 49", "S 50", "S 51", "S 52", "S 64", "S 109" und "S 110" verlegte nach Boulogne. Die am 17.01.1942 mit den Booten "S 18", "S 19", "S 20", "S 22", "S 24", "S 69", "S 71" und "S 101" hinzustoßende 6. SFltl (Kptlt. Obermaier) wurde in Ostende stationiert. Bei einem Minen-Einsatz bei Tonne 8 B erhielt "S 39" in der Nacht 18./19.01.1942 bei Sichtweiten unter 100 m Artilleriefeuer von ersten mit Radar ausgestatteten britischen Zerstörer an der Ostküste, ohne Mündungsfeuer ausmachen zu können. 

In Boulogne bereitete sich die 4. SFltl auf die Unterstützung des Unternehmens „Cerberus“ vor, des Kanaldurchbruchs der Schlachtschiffe „Gneisenau“ und „Scharnhorst“ sowie des Schweren Kreuzers „Prinz Eugen“. Die Flottille wurde mit den Booten "S 39" und "S 108" von der 2. SFltl und das Boot S 69 von der 6. SFltl auf 10 Boote aufgefüllt. Um einer Verwechslung mit feindlichen Booten durch die Luftwaffe vorzubeugen, wurden die Oberdecks der Boote leuchtend gelb gestrichen. Die Flottille stand beim Kanaldurchbruch am 12.02.1942 bei Seegang 5 bis 6 in der Flankensicherung. Bei einem Angriff von britischen Spitfire-Jägern  erlitt "S 64" Treffer mit zwei Schwer- und zwei Leichtverletzten, es entstand ein Brand im vorderen Tankraum, so dass das Boot zurück geschickt werden musste. Bei einem Angriff von Swordfish (Torpedofliegern) schoss "S 69" ein Flugzeug ab. Ein Angriff von fünf britischen MTBs bleib erfolglos. Der Durchbruch glückte ohne weitere Verluste.

Die in Sofortbereitschaft liegende 2. SFltl kam wegen aufkommenden Schwerwetters nicht mehr zum Einsatz.

 Nach dieser Unternehmung wechselten sich Minen- und Torpedo-Einsätze ab. Als die 2. SFltl nach einem Minen-Einsatz in der Nacht 19./20.02.1942 von britischen Zerstörern gejagt wurde, kollidierten "S 39" und "S 53". Während "S 39" mit aufgerissener Seite und einer voll gelaufenen Abteilung IV den Einsatzhafen erreichte, erfuhr man aus dem britischen Radio, dass von "S 53" (Obltl.z.S. Block) 18 Mann durch britische MGBs gerettet wurden, acht Mann darunter der Kmdt. blieben verschollen.

Am 15.02.1942 erging die Weisung von der Skl, die 6. SFltl mit acht Booten und Begleitschiff "Tsingtau" für den Einsatz im Raum Lofoten - Narwik in Marsch zu setzen. Ende April erreichte die 6. SFltl (Kptlt. Obermaier) mit vier Booten den neuen Stützpunkt Svolvær.

Den Februar und März 1942 hindurch arbeiteten die 2. und die 4. SFltl zusammen. Minen- und Torpedoeinsätze wechselten sich ab. In er Nacht 09./10.03.1943 meldete die 2. SFltl die Versenkung von zwei Dampfern mit 5.000 BRT durch "S 70" und S "105". Es ging aber nur der britische Frachtdampfer "Horseferry" (951 BRT) durch Treffer von "S 70" verloren.  

Die 4. SFltl legte während dieser Zeit Minen zwischen Dover und Dungeness. Dabei stellte die eigene Funkaufklärung fest, dass die britischen Küstenradarstationen die Boote ortete und die Lage der Minenfelder vermessen und damit die britischen Geleite um die Minenfelder herum leiten konnte. Dies war vorerst das Ende der Minenwurfeinsätze in diesem Gebiet.

Wegen der kurzen Wege von und nach Boulogne konnte die 4. SFltl sich nach Einsätzen fast immer der Verfolgung durch Feindkräfte entziehen. Die 2. SFltl hingegen wurde immer mit der alarmierten Abwehr konfrontiert. 

In der Nacht 14./15.03.1942 konnte "S 104" von der 2. SFltl zwar aus einem Geleit heraus den britischen Zerstörer „Vortigern“ versenken, die Boote mussten dann aber ohne Sichtkontakt Einzelboot- bzw. Rottenweise den Rückmarsch antreten. Auf "S 104" gab es einen 12-cm-Granatentreffer auf der Brücke, ohne dass eine Detonation erfolgte. Durch einen MG-Treffer gab es einen Leichtverletzten.

Nach dem Einlaufen erhielt die 2. SFltl die Nachricht, dass ein Boot kürzlich Feindberührung mit MGBs hatte. Die Flottille lief aus, um das fehlende Boot "S 111" zu suchen. Das Boot war bereits durch drei MGBs niedergekämpft und geentert worden und wurde abgeschleppt. Es hatte 14 Gefallene gegeben, darunter der Kmdt. Oblt.z.S. Popp.

Das schwer beschädigte "S 111" unter dem White Ensign - Bild aus Hümmelchen

 Als die 2. SFltl auf diesen Schleppzug stieß, wurde "S 111" losgeworfen, die MGBs konnten in einer Nebelwand entkommen. Auf dem Rückmarsch wurde die Flottille von 11 Spitfire-Jägern angegriffen. Durch die 30 Minuten dauernden Angriffe erlitten die Boote viele Beschädigungen, es gab vier Schwer- und acht Leichtverletzte. "S 111" musste aufgegeben und versenkt werden. Alle Boote waren für vier Wochen aKB.

Auf den von den S-Booten im März geworfenen Minensperren sanken zwei Frachter und ein Tanker mit zusammen 11.534 BRT. 

Der Monatanfang des April war von schlechtem Wetter bestimmt. Es waren nur einige wenige Einsätze möglich. Bei einem Mineneinsatz wurde ein Mann durch eine Mine über Bord gerissen.

Am 20.04.1942 wurde der Schnellbootsverband eigenständig. Der Führer der Torpedoboote (F.d.T.), der sich in der Vergangenheit hauptsächlich um die S-Boote gekümmert hatte, wurde Führer der Schnellboote (F.d.S.). Die Torpedoboote kamen unter das Kommando des Führers der Zerstörer (F.d.Z.). Neuer F.d.S. wurde KorvKpt. Petersen, der diesen Posten – zuletzt als Kommodore – bis Ende des Krieges innehatte. 

Die zweite Hälfte des April  und die erste Maiwoche waren wiederum von schlechtem Wetter gekennzeichnet. Um dennoch Einsätze fahren zu können wurde die 4. SFltl am 10./11.05.1942 nach Boulogne verlegt. Die 2. SFltl legte Minen vor Orfordness und stellte fest, dass die Boote fast ständig vom Radar erfasst waren. 

Am 13.05.1942 fuhr die 4. SFltl zusammen mit der 5. T-Fltl. und der 2. und 8. M-Fltl. Sicherung für den Hilfskreuzer "Stier". Durch britische Schnellboote wurden die T-Boote "Iltis" und "Seeadler" versenkt. Die S-Boote konnten insgesamt 83 deutsche und drei britische Seeleute retten. Anschließend wurde die Flottille in den Flottillenstützpunkt Hoek van Holland zurückverlegt.

Bis Anfang Juni führten die 2. SFltl und die inzwischen wieder nach Rotterdam zurückgekehrte 4. SFltl hauptsächlich Mineneinsätze durch. Dann verlegten die Flottillen nach Boulogne, um von dort aus Minensperren auf den Geleitzugrouten unter der englischen Küste zu werfen, obgleich bekannt war, dass die Radarstationen die Sperren genau vermessen konnten. Der F.d.S. verlegte seinen Stab nach Wimereux. Mitte Juni waren in beiden West-Flottillen sieben Boote einsatzklar.

Ende Juni verlegten die beiden Flottillen nach Cherbourg, um von hier aus unter der Führung des Chefs 2. SFltl mit gerade mal fünf einsatzbereiten Booten gegen die Geleite der Briten zu operieren. Mit der neuen Taktik „Stichansatz“ auf Grund von Feindmeldungen durch die Luftwaffe gelang bereits beim zweiten Ansatz in der Nacht 08./09.07.1942 die Versenkung von sechs Fahrzeugen mit geschätzt 22.000 BRT. In Wirklichkeit wurden versenkt von "S 67" der britische Tanker "Pomella" (6.766 BRT), von "S 48", "S 109" und "S 70" die norwegischen Dampfer "Kongshaug" (1156 BRT), "Rüsten" (736 BRT) und "Bokn" (698 BRT), von S 50 der niederändische Dampfer "Reggestrom" (2.836 BRT). "S 104" verfehlte mit zwei Torpedos einen Bewacher und "S 63" versenkte den britischen Trawler "Manor", den der Kmdt für einen Tanker hielt.

In den folgenden Wochen wurden wegen fehlender Feindmeldungen durch die Luftaufklärung wieder Mineneinsätze gefahren. 

Inzwischen wurden beide Flottillen durch wieder KB werdende Boote aufgefüllt. Die 5. SFltl (Kptlt. Klug) mit den Booten "S 77" und "S 68" wurde nach Cherbourg verlegt. Am 26.07.1942 erhielt die 2. SFltl den Befehl nach Guernsey zu verlegen. Am 31.07.1942 traf die 5. SFllt mit jetzt fünf Booten dort ein und am 01.08.1942 lief auch die 4. SFltl in St. Peter Port ein. In der Nacht vom 01./02.08.19442 fuhr die 2. SFltl Sicherung für eine Minenoperation der 8. M-Fltl.

Mit 19 Booten griffen die drei Flottillen in der Nacht 03./04.08.1942 ein Geleit an, wurden aber durch die Sicherungsfahrzeuge abgedrängt, so dass nur drei Boote zum Schuss kamen. Sie meldeten zwar Treffer, es wurden aber keine Fahrzeuge versenkt. 

Da die länger werdenden Nächte den Einsatz von Holland aus zuließen, verlegte der F.d.S. die 4. SFltl am 13.08.1942 nach Rotterdam und am Tag darauf die 2. SFltl nach Ijmuiden, die 5. SFltl verlegte nach Boulogne. Er selbst verlegte mit seinem Stab nach Scheveningen. 

Anfang September 1942 kehrte die 6. SFltl von Norwegen zurück und wurde in Ijmuiden stationiert. Daher konnten in der Folgezeit immer drei Flottillen abwechselnd im Torpedo- und im Mineneinsatz sein.

Am 11.09.1942 trafen die zurückkehrenden Boote auf eine MGB-Gruppe aus drei Booten. In dem sich entwickelnden Gefecht wurde "MGB 335" so schwer beschädigt, dass es aufgegeben wurde, die anderen MGBs entkamen. "MGB 335" wurde eingeschleppt, Signalbuch, Minenkarten, Funk- und Radargerät wurden erbeutet. Die neue 40-mm-Kanone auf "S 117" hatte sich voll bewährt. Allerdings hatte es auf allen deutschen Booten Treffer gegeben und es gab auf "S 62" und "S 80" fünf Schwerverwundete und fünf Leichtverwundete auf "S 78" gab es zwei Verwundete und einen in der 6. SFltl. 

 

Britische MTBs vom Typ Fairmile C - Foto: Imperial War Museum

 

Der F.d.S. forderte als Konsequenz aus dem Gefecht die Verstärkung der Brückenpanzerung (Kalottenbrücke) und die Ausrüstung mit 40-mm-Kanonen sowie mit Funkmess- und Funkmessbeobachtungsgeräten.

Die 5. SFltl führte im September und Oktober 1942 von Cherbourg aus Minen- und Torpedoeinsätze im Wechsel durch konnte aber nur den Trawler "Lord Stonehaven" versenken.

In der Nacht 06./07.10.1942 lagen erstmals wieder Funkaufklärungsmeldungen vor. Mit 17 Booten aus drei Flottillen konnten aus dem Konvoi die Versenkung eines Dampfers mit 7.000 BRT ("Jesse Maersk" (1972) BRT), des Schleppers "Caroline Møller" und des Minenfahrzeugs ML 339 gemeldet werden. Die torpedierten britischen Frachter "Sheaf Water" /2730 BRT) und "Ilse" (2844 BRT) sanken beim Abschleppen. Das Patrouillenfahrzeug  "Shelldrake" und der Hilfsminensucher "Monimia" wurden beschädigt. Das neue GA-Winkel-Stellzeug (es erlaubte den Winkelschuss) auf "S 80" hatte sich bewährt.

Es folgte eine Woche mit so schlechtem Wetter, dass S-Boots-Einsätze nicht möglich waren.

Am 13.10.1942 fuhr die 5. SFltl mit 8 Booten einen Einsatz gegen ein Westgeleit, fand aber keine Ziele, danach suchten sie nach Überlebenden des Hilfskreuzers "Komet", das von britischen MTBs versenkt worden war. Von den 251 Besatzungsangehörigen überlebte keiner.

Von Holland aus waren in der gleichen Nacht  die 6. SFltl mit acht Booten und die 4. SFltl mit fünf und die 2. SFltl mit vier Booten im Einsatz. Die 6. SFltl meldete die Versenkung von vier Frachtern mit 8.000 BRT, tatsächlich wurde der norwegische Dampfer "Lysland" ( 1.335 BRT) und der britische Dampfer "George Balfour" (1570 BRT) torpediert. Die brennende "Lysland" wurde in den Humber eingeschleppt. Die "George Balfour" brach beim Schleppen auseinander und geriet auf Grund. 

 In den nächsten Wochen waren wegen der einsetzenden Winterstürme nur wenige Einsätze möglich. Am 09.11.1942 waren die 6. SFltl mit sieben, die 2. und 4. SFltl mit je acht Booten im Einsatz. Es wurde die Versenkung sechs Dampfern mit 16.000 BRT und die Torpedierung eines Bewachers gemeldet. Versenkt wurde nur der norwegische Dampfer "Fidelio" (1.843 BRT) und der britische Dampfer "Brite Wandle" (1.482 BRT) wurde torpediert. Er wurde eingeschleppt. Die Boote "S 113" und "S 112" mussten mehrere 4-cm-Treffer hinnehmen. Auf "S 113" wurden drei Mann verletzt.

Am 19.11.1942 fuhr die 5. SFltl. einen Angriff auf ein Geleit bei Eddystone Leuchtfeuer und meldete die Versenkung von zwei Frachtern von je 3000 BRT, eines Frachters von 2500 BRT und eines Frachters von 1000 BRT. "S 112" versenkte den britischen Trawler "Ullswater". Außerdem wurden versenkt  der norwegische Frachter "Lab" (1118 BRT) und die britischen Dampfer "Yewforest" (815 BRT) und "Birgitte" (1595 BRT).

Am 30.11.1942 wurde der britische Trawler "Jasper" durch die 5. SFltl versenkt. Die Frachter des Konvois wurden nicht getroffen, es gab ein längeres Gefecht mit brischen Zerstörern.

Am 02.12.1942 bekämpfte die 5. SFltl mit acht Booten einen Geleitzug. "S 81" und "S 116" schossen gleichzeitig auf einen Dampfer von geschätzt 3000 BRT, "S 82" traf einen Dampfer von geschätzt 2000 BRT und "S 115" versenkte den britischen Geleitzerstörer "Penylan". Es sank der französische Frachter "Gatinais" (1087 BRT). Auf "S 116" fielen zwei Mann auf "S 82" fielen drei Mann.

In der Nacht 12./13.12.1942 konnte wieder ein Stichansatz durchgeführt werden. Die an den Flanken stehenden Boote der 2. und 6. SFltl konnten die Sicherungsfahrzeuge abziehen, die 4. SFltl kam zum Schuss und meldete vier Dampfer und einen Tanker mit geschätzt 12.000 BRT als versenkt, in Wirklichkeit wurden versenkt durch S 49 der britische Frachter "Avonwood" (1056 BRT), durch S 117 der britische Frachter "Knitsley" (2272 BRT), durch "S 63" der britische Frachter "Lindisfarne" (999 BRT) und der norwegische Frachter "Marianne" (1915 BRT) und durch "S 110" der britische Frachter "Glen Tilt" (871 BRT). "S 105" erhielt einen 10,2-cm-Treffer ohne Personalverluste. "S 114" erhielt einen 4-cm-Treffer und mehrere 20-mm-Treffer ebenfalls ohne Personalverluste.

Insgesamt wurden im Jahr 1942 am Kanal versenkt: Zwei Zerstörer ("Vortigern" und "Penylan"), eine Motorlaunch (ML 339), vier Trawler ("Manor", "Lord Stonehaven", "Ullswater" und "Jasper"), 19 Handelsschiffe mit 33.049 BRT. Torpediert wurden fünf Frachter mit 4387 BRT, durch Minen versenkt wurden fünf Handelsschiffe mit 14.667 BRT, durch Minen beschädigt wurden zwei Zerstörer ("Whitshed" und "Cotswold") und ein Handelsschiff mit 2820 BRT. Erbeutet wurde ein MGB (MGB 335).

Die eigenen Verluste betrugen:  14 Gefallene, 5 Schwer- und 12 Leichtverletzte, 18 Gefangene. "S 53" ging durch Kollision mit "S 39" verloren, "S 111" wurde nach Artillerietreffern selbst versenkt.