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FüWES der S-Boote der Bundesmarine

 

FüWES der S-Boote der Bundesmarine

Während die Schnellboote der Klassen S 140, S 141, S 142, S 152 und S 153 nur über Radargeräte der Firma Decca (Type 149 und Type 404) und später der Firma Kelvin Hughes (KH-14/9) verfügten, deren Daten auf dem Plottisch von Hand zu einem Lagebild ausgewertet wurden, und erst Ende der 60er Jahre ein True-Motion Sichtgerät im Plotraum bekamen, verfügten die zu Klasse 142 mod. umgerüsteten Boote des 7. S-Geschwaders über das Waffeneinsatzsystem WM-20 für Geschütze und Torpedos der Firma Hollandse Signaalaparaten (HSA).

 

Waffeneinsatzsystem S 142 mod.

Das Waffeneinsatzsystem WM-20 bestand aus einem kombinierten Antennensystem (Combined Antenna System, CAS), das im X-Band arbeitete und in einem Radom untergebracht war. 

Schnitt durch den Radom der WM-20 - Bild: HSA

In der OPZ befand sich ein Taktischer Bildschirm Horizontal (TBH), auf dem die Radarziele (Luft- undSeeziele) der Rundsuchantenne mit kombinierlter IFF-Antenne und die Radarziele der Feuerleitantenne sowie des Navigationsradars KH-14/9 dargestellt wurden.

Die Feuerleitung erfolgte vom Artillerie-Kommandogerät (AKG) für die beiden Geschütze Bofors 40mm/L70 und vom Torpedo-Kommandogerät (TKG) für die beiden drahtgelenkten Torpedos DM 2 A 1 (SEAL, auch als Seeaal bezeichnet).

Alternativ konnten die Geschütze von der Artilleriesäule OGR-7/2 gerichtet und abgefeuert werden. Als Reserveverfahren stand das Richten und Abfeuern durch die Richtschützen im Geschütz zur Verfügung.

 

AGIS

Mit dem Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES) Automatisches  Gefechts-Informations-System für Schnellboote (AGIS) erhielten die Schnellboote der Klasse 143 ein System, das mit einem Univac-Rechner vom Typ USQ 180 B Radardaten und IFF-Daten der WM 27-27/52 DU, des Navigationsradars 3 RM/20, des Global Positioning Systems (GPS) und des Link11 UHF/HF Datenaustauschsystems, mit den Daten anderer Link 11-Einheiten der Marine und anderer NATO-Einheiten in Echtzeit zur Lagebilderstellung genutzt werden konnten. Die Anwender-Software wurde durch Kommando Marineführungssystem (KdoMFüSys) erstellt.

AGIS S 143 im Test bei KdoMFüSys, vorne der TBH, dahinter TKGs und AKG - Bildstelle der Marine

Die Darstellung des Lagebildes erfolgte auf dem Taktischen Bildschirm Horizontal (TBH) als zentralem Punkt mit den Arbeitsplätzen des Kommandanten, des Waffeneinsatzoffiziers und eines Radarmaaten. Vom TBH erfolgte die Freigabe von Zielen für den Link 11-Verkehr und die Zuweisung von Zielen zur Bekämpfung an das Artillerie-Kommandogerät (AKG), die Torpedo-Kommandogeräte (TKGs) und an das FK-Kommandogerät (FKKG).

Bekämpfungsanweisungen des OTC (Officer in Tactical Command) - in der Regel ds Geschwaderkommandeurs - über Link 11 liefen auf dem TBH auf und musten vom Kommandanten bzw, Waffeneinsatzoffizier als Zielzuweisungen an die Waffen weitergegeben werden.

OPZ S-Boot Klasse 143 - Foto: O. Rahardt

Die Waffenecke auf einem S-Boot Klasse 143 - Foto: O. Rahardt

Auf vielen Booten wurde aber nebenher ein (General Operational Plot, GOP) auf einer Seekarte geführt.

GOP auf einem S-Boot Klasse 143 - Foto: I. Rahardt

Das FüWES AGIS verknüpfte die Seezielflugkörper MM38 Exocet und die Geschütze OTO Melara 76 mm und verarbeitete die Aufklärungsdaten des autonomen EloKa-Systems OCTOPUS, das ab 1992 zunächst auf fünf Booten eingebaut und nach Außerdienststellung des 3. S-Geschwaders auch auf den anderen fünf Booten des Geschwaders das ältere System SARIE-1 ersetzte.

Für Einheiten ohne Link 11-Ausstattung konnten die Boote über Funkfernschreiber Link 14-Daten übermitteln.

 

PALIS

Ursprünglich war für die Boote der Klasse 148 ein passives System geplant, das dazu in der Lage war, externe Link 11- und Link 14-Daten zu verarbeiten und darzustellen (Passiv-Link-Informationssystem, PALIS). Der Link-Dezernent erkannte aber, dass es nur zusätzlicher Software und eines linkfähigen HF-Senders bedurfte, um bei Vorhandensein eines sowieso erforderlichen Rechners und eines sowieso erforderlichen Link 11-Terminals auch aktiv am Link 11-Verkehr teilnehmen zu können. Die dafür erforderliche Software konnte fast 1:1 von AGIS übernommen werden.

So konnte ein zwar von der Kapazität her eingeschränktes aber vollwertiges FüWES PALIS auf den Booten installiert und genutzt werden. Der Name PALIS bleib erhalten und wurde umgedeutet zu Passiv-Aktiv Link-System.

OPZ eines Bootes der Klasse 148 - Foto: M. Rode

Anfang der 90er Jahre mit der Einrüstung des Seeraumüberwachungradars TRITON-G und des Feuerleitradars POLLUX wurde auch das EloKa-Gerät SARIE-1 gegen OCTOPUS ausgetauscht. Um im Mast Platz für den großen OCTOPUS-ECM-Topf zu schaffen, wurde das Navigationsradar auf einen Zweibein-Träger an der Vorderkante der Brücke umgesetzt.

Beim erforderlichen Update der Software auf die neuen Radargeräte wurde auch die Integration der OCTOPUS-Geräte vorgenommen. Die vom ESM-Teil übermittelten Peilungen und Analysedaten von Emittern konnten jetzt auf der Mehrzweck-Darstellungskonsole (MDK) dargestellt werden und ihre Freigabe für die Link-Übermittlung war möglich.

POLLUX-Feuerleitantenne und NAV-Radar auf einem Boot Klasse 148 - Foto: Lürssen

Auf dem Foto sind die Plattformen für die Artilleriezielsäulen Askania 76 zwar noch vorhanden, die Zielsäulen nicht mehr.

Das PALIS integrierte das Rundsuchradar TRITON-G, das Feuerleitradar POLLUX, das Navigationsradar SMA 3 RM 20, die MM38 Exocet-Anlage, die Geschütze OTO Melara 76mm/L62 und Bofors 40mm/L70 und konnte die von der ESM-Anlage OCTOPUS übermittelten Peilungen von Emittern auf der MDK darstellen und für den Link-Verkehr freigeben.

EloKa-Ecke mit OCTOPUS-Konsole auf einem Boot Klasse 148 - Foto: M. Rode

Zielzuweisungen an die Flugkörper und an die Artillerie konnten von der MDK erfolgen. Die Steuerung und Abfeuerung der Flugkörper und Geschütze erfolgte vom Flugkörper-Kommandogerät (FKKG) bzw. vom Artillerie-Kommandogerät (AKG). Bis zum Einbau des TRITON-G und des CASTOR konnten die Geschütze auch von den optischen Zielsäulen Askania-76 gesteuert werden.

Als Reserveverfahren bestand für die Bofors 40mm/L70 MEL Mod. 71 die Möglichkeit, das Geschütz durch den Richtschützen von Hand zu richten und abzufeuern.

 

FüWES AGIS S 143 A

Das Führungs- und Waffeneinsatzsystem der Schnellboote der Klasse 143 A ("Gepard"-Klasse), das Automatische Gefechtsführungssystem für S-Boote Klasse 143 A (AGIS S143 A), war ein System, das mit dem Rechner vom Typ USQ 180 B die Radar- und IFF-Daten der WM-27/52 DU, des Navigationsradars MSSR 2000 I, des Global Positioning Systems (GPS) und empfangene Link 11-Daten miteinander verknüpfte und in Echtzeit ein Lagebild erzeugte. Die Anwender-Software wurde ebenfalls von KdoMFüSys erstellt.

Die Darstelung des Lagebildes erfolgte wie auf der "Albatros"-Klasse auf dem Taktischen Bildschirm Horizontal (TBH) als zentralem Punkt mit den Arbeitsplätzen des Kommandanten, des Waffeneinsatzoffiziers und eines Radarmaaten. Vom TBH erfolgte die Freigabe von Zielen für den Link 11-Verkehr und die Zuwesiung von Zielen an des Artillerie-Kommandogerät (AKG) und das Flugkörper-Kommandogerät (FKKG).

Wie auch bei der "Albatros"-Klasse liefen Zielanweisungen des OTC (Officer in Tactiocal Command) - in der Regel des Geschwaderkommandeurs - auf dem TBH auf und mussten vom Kommandanten bzw. Waffeneinsatzoffizier als Zielzuweisungen weitergegeben werden.

Aufklärungsdaten des autonomen ESM-Teils der EloKa-Systems FL 1800 wurden durch den Rechner des FüWES auf dem TBH als Peilungen dargestellt und konnten für den Link 11-Verkehr freigegeben werden. 1993 bis 1997 wurde auf den Booten das Nahbereichsflugabwehrsystem Rolling Airframe Missile (RAM) eingebaut un in das FüWES integriert.

MSP-500 auf dem Brückendach S71 "Gepard" Foto: K. Scheuch

Die MSP-500 verfügte über ein Sensorpaket aus Wärmebildkamera, Tageslichtkamera, Laserentfernungsmesser und Videotracker, sowie einem Feuerleitmodul für die OTO-Melara 76mm/L62 und war bei Tag und Nacht auch unter schwierigen Wetterverhältnissen einsetzbar.

OPZ S71 "Gepard" im DMM - Foto: S. Kleinert

MSP-500-Konsole, AKG und FKKG auf S71 "Gepard" - Foto: U. Skrzypski

Radar- und Hotdog-Fernbedienung auf S71 "Gepard" - Foto: U. Skrzypski

 

 Datenlink 11

Für den Datenlinkverkehr benötigten teilnehmende Einheiten (Participating Units, PUs) neben linkfähigen HR- und UHFSendern und -Empfängern, ein Link 11-Terminal, welches die im FüWES erzeugten standardisierten Messages verschlüsselten ehe sie an die Sender zur Ausstrahlung gegeben wurden. Eingehende Link 11-Messages wurden vom Terminal entschlüsselt und als Frendziele (Remote Tracks) an den Zentralrechner gegeben.

Alle am Link11-Netz teilnehmenden Einheiten wurden von der Netz Kontroll Station (Net Control Station, NCS) im Round-Robin-Verfahren aufgefordert ihre Daten zu senden.  Dabei wurde die Eigenposition bezogen auf einen Datenlink Referenz Punkt (Datalink Reference Point) gemeldet und alle von eigenen Sensoren verfolgten Ziele bezogen auf die Eigenschiffspoition gemeldet.

Gemeldet wurden Eigenziele (Luftziele, Seeziele, Unterwasserziele), ESM-Peilungen, Besondere Punkte sowie stattfindende Bekämpfungen. Bekämpfungsbefehle von autorisierten Einheiten ebenfalls an bestimmte Einheiten übermittelt werden. Alle Ziele konnten als "Freundlich", "Feindlich" oder "Unbekannt" übermittelt werden.

Durch das Zusammenfügen aller über Link 11 ausgestrahlten Informationen von bis zu 20 PUs wurde ein komplexes Lagebild erstellt, das den OTC befähigte, seine Entscheidungen zu treffen.

Participating Units in einem Link 11-Netz konnten alle NATO-Einheiten, Schiffe, Flugzeuge, Landstationen, sein. 

So war es z.B. möglich, dass Schnellboote gegen Remote Ziele von einer AWACS simuliert Flugkörper einsetzen konnten, ohne ein eigenes Radar zu benutzen.

 

Datenlink 14

Für Einheiten ohne Link 11-Verbindung wurden durch das AGIS so genannte Link 14-Daten für die Übertragung über Funkfernschreiber zur Verfügung gestellt. Die Daten bestanden aus den Informationen über die Zielart (Luft-, See-, Landziel), die Identität (Freund, Feind, Unbekannt), Position (Länge und Breite), Kurs und Fahrt.